Wertschätzung

Religiöse Erziehung bedeutet auch: Die Vermittlung von WERTSCHÄTZUNG Menschen, Tieren, aber auch Materialien gegenüber.

Letzten Endes sind viele Materialien, mit denen wir täglich umgehen, das Produkt sehr wichtiger Naturressourcen, für die wir Verantwortung tragen.
Wenn man den Kerngedanken des christlichen Glaubens in einem Satz formulieren wollte, so könnte dieser wohl lauten: „Du bist etwas Besonderes!“ Dieses „Du“ personifiziert Menschen, Tiere, aber auch Güter, die unsere „Mutter Erde“ für uns bereitstellt.

Menschliche Wertschätzung in einem höflichen, respektvollen und toleranten Umgang im täglichen Miteinander, den wir den Kindern vorleben wollen. Die Interessen, Anliegen und Sorgen der Kinder werden ernst genommen. Ihre Arbeit wird in der Weise gewürdigt, dass jedes ihrer kleinen Kunstwerke, das sie aus Farben und Bastelmaterialien erstellen, datiert und mit Namen versehen wird. Darüber hinaus bleibt das, was die Kinder aus Legematerial gelegt oder aus Montessori-Material erarbeitet haben, einige Tage auf Teppichen mit einem Namensschild des jeweiligen Kindes versehen stehen, damit die Arbeit bewundert werden kann.

Wertschätzung des anderen Menschen bedeutet auch, dass Streitigkeiten unter den Kindern und Meinungsverschiedenheiten zwischen Erzieherinnen und Eltern, die im Alltag unvermeidlich hin und wieder auftreten, in ruhigen Gesprächen unter Berücksichtigung der wechselseitigen Interessen geschlichtet werden – gegebenenfalls wird hierfür außer der Reihe ein Elternabend einberufen.

Wir bemühen uns auch, Solidarität und Hilfsbereitschaft der Kinder gegenüber den Menschen zu fördern, denen es schlechter geht als uns. Themen wie Krankheit, Behinderung, Tod und menschliches Elend in ärmeren Ländern werden nicht ausgeklammert, sondern bei Bedarf behutsam mit den Kindern besprochen; die betroffenen Menschen werden regelmäßig in unsere Fürbitten und Gebete während der Messen eingeschlossen. Auf diese Weise lernen die Kinder, ihre eigene Lebenswirklichkeit zu schätzen.

Nicht zuletzt gehört zur Wertschätzung des menschlichen Lebens auch, dass wir die Kinder anhalten, auf ihren eigenen Körper zu achten. Das Händewaschen vor und Zähneputzen nach dem Essen sind bei uns ebenso selbstverständlich wie die wöchentliche Turnstunde.


Die Kinder sollen bei uns des Weiteren den Wert der Natur schätzen lernen. Die Versorgung der Fische in dem im Eingangsbereich des Kindergartens befindlichen Aquarium obliegt den Kindern unter Aufsicht der Erzieherinnen und der Kindergartenleitung. Einmal jährlich besuchen wir mit den Kindern einen Imker, der den Kindern den Aufbau eines Bienenstocks erläutert und ihnen zeigt, wie im Zusammenwirken von Bienen und Mensch Honig entsteht. Der Wert der Tiere für den Menschen und der Arbeit des Menschen in der Natur ist – neben dem gemeinschaftlichen Vergnügen – auch Thema eines Nachmittags, den wir einmal im Jahr mit den Kindern, ihren Eltern und Geschwistern auf einem Bauernhof verbringen.

Ein wichtiges Thema in unserer Arbeit mit den Kindern sind außerdem die Jahreszeiten, deren jeweilige Besonderheiten und spezifischen Wert wir den Kindern nahe bringen wollen. Hierzu gehören beispielsweise Herbstspaziergänge, im Winter das Spiel im Schnee (soweit vorhanden) und im Sommer die Planscherei mit Wasser auf dem Außengelände sowie der von uns gefeierte Frühlingsgottesdienst und die Gestaltung des Erntedankfestes, die an anderer Stelle im Einzelnen beschrieben wird.

Schließlich bemühen wir uns, den Kindern einen verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen und der Umwelt nahe zubringen. In unserem Kindergartenalltag sieht das beispielsweise so aus, dass Papier nicht verschwendet wird und wir den Müll getrennt nach Restmüll, Verpackungs- und Verbundstoffen, biologischen Abfällen und Papiermüll entsorgen. Dabei lernen die Kinder schnell, dass es verschiedene Müllcontainer für unterschiedlichen Abfall gibt.

Ebenso wichtig ist es für uns, dass die Kinder den Wert des vorhandenen Mobiliars, der Spiele, Bücher, Arbeitsmaterialien und sonstigen Utensilien, mit denen sie täglich umgehen, schätzen lernen. Diese Sachwerte müssen mehrere Kindergenerationen “überstehen”; zudem wollen alle Kinder in den Genuss ihres Gebrauchs kommen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn sie ästhetisch ansprechend, heil und komplett bleiben. Insbesondere die Arbeitsmaterialien behalten nämlich nur dann ihren hohen Aufforderungscharakter zur Auseinandersetzung mit ihnen. Deshalb halten wir die Kinder an, die genannten Gegenstände pfleglich zu behandeln.

Schließlich ist bei uns ein sorgsamer Umgang mit Lebensmitteln selbstverständlich. Wir sind darum bemüht, dass keine Lebensmittel entsorgt werden müssen. Auf diese Weise richten wir einen solidarischen Gedanken an hungernde Menschen in der dritten Welt und lehren die Kinder, die Ernte nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern als besondere Gottesgabe zu achten.